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Pressemitteilungen

Refa Branchenorganisation tagte bei Carl Kühne KG:

Orientierung auf Mitarbeiter im Fokus

Prof. Dr. Wetterau beschreibt Krankheit Burnout

Zukunftsweisende Themen diskutiert

Gastgeber der Anfang November durchgeführten Refa-Fachtagung war das Straelener Werk der Carl Kühne KG (GmbH & Co.). Das 1722 in Berlin gegründete Familienunternehmen besitzt heute mit der Marke Kühne eine der erfolgreichsten Premiummarken in Deutschland. Kühne beschäftigt europaweit 1500 Mitarbeiter. Der Standort Straelen mit seinen annähernd 500 Mitarbeitern in der Saison ist das grüßte Werk innerhalb der gesamten Kühne-Gruppe.

Hauptsächlich werden in Straelen die bekannten Kühne-Gurken, das Fasskraut, Gemüse in Essig sowie natürlich Essig in Reinform und Senf produziert. Jährlich werden etwa 50.000 Tonnen Rohwaren zu 70 Millionen Verpackungen verarbeitet. Mit 62 Millionen Liter ist das Werk Straelen eine der größten Essigbrauereien Europas und verfügt über ein Lagervolumen von 9 Millionen Litern. Von Straelen aus erfolgt die gesamte Distribution in den Westen Deutschlands und in die angrenzenden Beneluxländer. Ebenso geht von dort ein Großteil der Waren in den weltweiten Export.

Produktionsleiter Winfried Heckmanns hat die Tagungsteilnehmer mit seiner Präsentation vom Standort Straelen sehr beeindruckt. Nach der Vorstellung des Werkes und einem Rundgang erläuterte Heckmanns das von Kühne durchgeführte Projekt der Störzeitanalyse zum Zweck der Störzeitreduzierung. Dieses Projekt erfasst alle Störungen im Produktionsbereich, nimmt eine systematische Auswertung vor und zeigt die Ursachen für Produktionsstörungen. Aufgrund eines intensiven Austausches innerhalb der beteiligten Mitarbeiter über die Ergebnisse der Störzeitanalyse konnten Verbesserungen in allen Teilen der Produktion erzielt werden.  Der Erfolg des Projektes liegt zum einen daran, dass man Störungsgründe und deren Ursachen offen anspricht und dass zur Lösung und Maßnahmenfindung die Mitarbeiter eingebunden werden , so Winfried Heckmanns zum Abschluss seines Vortrages.

In einem weiteren Fachvortrag konnte Dipl.-Ing. Khaddouj Zinaoui von der Chemischen Fabrik Dr. Weigert GmbH & Co. KG in Hamburg die Notwendigkeiten erläutern, warum man bei der Personal- und Anlagenhygiene vor allen Dingen den Mitarbeiter im Blick haben muss. In der gesamten Wirtschaftskette der Lebensmittelindustrie ist der Faktor Mensch überall relevant. Er ist der entscheidende Faktor, wobei dem Mitarbeiter nur die eigentliche Umsetzung zufüllt. Die bedeutend größere Aufgabe um Personal- und Anlagenhygiene sicherzustellen, liegt bei den Vorgesetzten und dem Management. Hier kommen die Initiativfunktion, die Vorbildsfunktion, die Dienstleistungsfunktion und die Kontrollfunktion ständig zum Tragen. Hygiene, so die Referentin, funktioniert nur im Team. Die Regeln müssen Gültigkeit für alle haben, in regelmäßiger Erinnerung stehen, einheitlichen Informationen unterliegen und sich in zuverlässigen Kontrollen mit gegenseitigen Vertrauen widerspiegeln.

Hauptthema der Tagung war der Vortrag von Prof. Dr. Jens Wetterau von der Hochschule Niederrhein unter dem Thema  Burnout am Arbeitsplatz! Der Mitarbeiter- eine unverstandene Persönlichkeit? . In der Realität nehmen heute die stressbedingten Krankenstandzahlen, die zu Produktionsausfallkosten und gesundheitlichen Folgekosten führen, stark zu. Nach den neuesten Untersuchungen befinden sich, je nach Branche, bis zu 30 % der Erwerbstätigen in einer gesundheitlichen Situation, die als Burnout-Syndrom bezeichnet werden kann; davon ist vor allem der Dienstleistungssektor betroffen. Betroffene klagen über körperliche, emotionale und kognitive Einschränkungen. Sie erleben sich körperlich verausgabt, hilf- und hoffnungslos sowie emotional erschöpft und haben eine negative Einstellung sich selber, ihrem Beruf, anderen Menschen gegenüber und zum Leben überhaupt entwickelt. Nach einer Studie aus dem Jahr 2007 zeigen sich die Symptome bei 70 % der Befragten in Schlafstörungen und Nervosität, Unruhe, Reizbarkeit, Verspannungen, Rückenschmerzen, Abgeschlagenheit. 35 % der Befragten klagen über starke psychische Belastungen. Auslösende Belastungsfaktoren liegen sowohl im Betrieb als auch in der privaten Zeit. Im Jahr 2007 waren 9,3 % aller Arbeitsunfähigkeitstage auf eine psychische Erkrankung zurückzuführen, 1970 waren dies nur 2 %.

Elementare Ursachen, die zum Burnout führen, sind die Anspruchshaltung an sich selbst, der Arbeitsstress und die Anspruchshaltung des sozialen Umfeldes. Auch Angst ist ein wichtiger Faktor in der Ursachenforschung. Soziale Ängste, Existenzängste und Leistungsängste sind Erkrankungen, die zu einer Schwächung des Immunsystems, einer Erkrankung des Gastrointestinaltraktes, Herz-Kreislaufproblemen, Beschwerden am Skelettsystem/Bewegungsapparat, Depressionen und Neurosen führen. Ca. 20 % der betrieblichen Fehlzeiten und Kündigungen sind auf Ängste am Arbeitsplatz zurückzuführen. Die Unternehmen sind gefordert, Maßnahmen zur Stressvermeidung zu realisieren und Erholungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz zu schaffen. Bei zukünftigen Herausforderungen wird sich als Problematik herauskristallisieren, dass der Bedarf an leistungsstarken Mitarbeitern steigen wird, auf der anderen Seite ein schwindender und inkonstanter Pool an leistungsstarken Mitarbeitern vorhanden sein wird. Die Unternehmen müssen daher Strategien entwickeln, die am besten geeigneten Mitarbeiter zu finden, weiterzuentwickeln und langfristig im Unternehmen zu halten. Nachwuchstalente erwarten Unterstützung und das Aufzeigen eindeutiger Möglichkeiten, wie sie selbst ihre Karriere entwickeln können. Als Fazit schlossen sich die Teilnehmer der Meinung an, dass der Schutz und die Förderung der Gesundheit ein Gebot der ökonomischen Vernunft sind und eine humanitäre und soziale Verpflichtung, in der sich die Unternehmenskultur widerspiegelt.

Uwe Grebe, der Vorsitzende der REFA Branchenorganisation Nahrung und Genuss und Leiter der Fachtagung forderte die Veranstaltungsteilnehmer auf, sich den vorgestellten Themen zu widmen, denn gerade bei den zukünftigen Anforderungen in der Lebensmittelindustrie wird es wichtig sein, die Mitarbeiter mitzunehmen und Arbeitssituationen zu schaffen, die Effizienz beinhalten. Wenn 20 % der krankheitsbedingten Ausfälle in den heutigen Unternehmen auf Stressfaktoren zurück zuführen sind, und die psychischen Anforderungen an den einzelnen Mitarbeiter steigen, müssen weitere Maßnahmen für ein optimales Arbeitsumfeld geschaffen werden.

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